Tag des offenen Denkmals  2020

 



Theater Altes Hallenbad (Friedberg/Hessen) 

Das heutige „Theater Altes Hallenbad“ in Friedberg/Hessen ist ein  ehemaliges Schwimmbad, das  1909 im Jugendstil errichtet wurde.  Nach langem Leerstand ab 1980 wird das Alte Hallenbad heute nach  etlichen Sanierungsarbeiten als Theater und Kultureinrichtung genutzt.   

Geschichte 
Das Jugendstil-Gebäude in der Friedberger Innenstadt in der Nähe des  Wetterau-Museums und der  Friedberger Stadtkirche - heute das „Theater Altes Hallenbad“ - wurde im Jahr 1909 als Schwimmbad und Badeanstalt eingeweiht. Der Begriff Badeanstalt ist wörtlich zu nehmen. Damals gab es in den Wohnungen der Friedberger Altstadt  kaum fließendes Wasser und keine Badezimmer. 
Für wenige Groschen konnten die Bürgerinnen und Bürger die Dusch- oder Wannenbäder nutzen. Neu und modern war daneben das große Schwimmbad. Es ermöglichte den Menschen, schwimmen zu lernen und schwimmen zu gehen. In einem zeitgenössischen Flugblatt von 1909 ist in einer Selbstbeschreibung  von  einem  „modern  eingerichteten  Bad  für Schwimm-, Wannen-,  Dampf-, Medicin-, Brause-, Luft- und Sonnen- Bädern“ die Rede. Und tatsächlich gab es im Obergeschoss eine nach Süden ausgerichtete Terrasse für Sonnenbäder.  
Die Initiative für den Bau dieses Schwimmbads kam Anfang des 20. Jahrhundert  aus  der aufgeklärten  Friedberger  Bürgerschaft. Sie gründete einen Bürgerverein, der sich für den Bau einsetzte, um bessere hygienische Verhältnisse für alle Friedberger Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. So wurde das Schwimmbad zum Symbol für die soziale Entwicklung der Stadt. Und von daher erklärte der Architekt Hans Meyer bei der späteren feierlichen Eröffnung: „Was die Stadt Friedberg jahrelang erstrebt hat, ist dank der Opferwilligkeit und dem Gemeinsinn der  Bürgerschaft nun  durch  Fleiß  und  rege  Tätigkeit  vieler Mitwirkender fertiggestellt und zur Zierde ihrer Stadt 
geworden.“ (Neue Tageszeitung, 8. 6. 1909). Und im Vorwort der Festschrift zur Eröffnung hielt Oberlehrer Ferdinand Dreher fest: „Unser gutes, altes Friedberg steht mit der Eröffnung des Städtischen Schwimmbades wieder an einem Markstein seiner Entwicklung.“ (Festschrift zur Eröffnung  des  Städtischen  Schwimmbades  Friedberg  (Hessen) Pfingsten 1909, Verlag der Neuen 
Tageszeitung, Friedberg, 1909). 
Der Bürgerverein sorgte für die Finanzierung des Baus über Spenden, eine Lotterie und eine Aktiengesellschaft, die „Actien-Gesellschaft Städtisches Schwimmbad Friedberg in Hessen“. Der Voranschlag belief sich auf 153.000 Mark (WZ vom 20. 1. 1979). In der Rekordzeit vom 17. Februar 1908 (erster Spatenstich) bis zum Mai 1909 wurde das Bad nach den Plänen desArchitekten Hans Meyer aus Gießen errichtet. Er beschrieb den Baustil folgendermaßen: „Während im Inneren des Gebäudes vorwiegend moderne Stileinrichtung zur Anwendung kam, zeigt das Äußere durchweg den Charakter des Barocks.“ (Festschrift zur Eröffnung des Städtischen Schwimmbades 
Friedberg (Hessen) Pfingsten 1909, Verlag der Neuen Tageszeitung, Friedberg, 1909). So ist das Gebäude im Inneren durch zahlreiche Elemente des Jugendstils gekennzeichnet, während es außen dem damals modernen Neo-Barock huldigt. Beim Bau und der Ausstattung wurden vor allem Bau- und Handwerksbetriebe aus Friedberg und der Region beauftragt; die Festschrift zur Eröffnung 1909 listet alle Handwerker und Zulieferer auf  (Festschrift  zur  Eröffnung  des  Städtischen  Schwimmbades Friedberg (Hessen) Pfingsten 1909, Verlag der Neuen Tageszeitung, Friedberg, 1909). Nach Fertigstellung beliefen sich die Kosten auf 169.737 Mark (WZ vom 26. 6. 1981). Sie waren durch die Mittel des Vereins gedeckt.  
Der Bürgerverein sorgte nach der Eröffnung des Schwimmbads zu Pfingsten 1909 zunächst für den Betrieb des Hallenbads. Bei der Eröffnung sagte der Friedberger Apotheker Georgi als Vorsitzender der Actien-Gesellschaft: „Wenn wir auch anfangs keine materiellen Vorteile haben, so kann der ideale Gewinn unserer Bevölkerung an Reinlichkeit, Wohlbefinden und Gesundheit nicht hoch 
genug bewertet werden und wollen wir darin die Zinsen für das von uns allen angelegte Kapital erblicken.“ (Neue Tageszeitung, 8. Juni 1909) Am 1. 4. 1934  übernahm die Stadt Friedberg durch den Ankauf der Restaktien das Bad und betrieb es dann in eigener Regie.  
In der Nachkriegszeit fielen 1963 viele Jugendstil-Elemente des Schwimmbads einer vermeintlichen „Modernisierung“ zum Opfer. Wandbilder,  wie  das  elf  Meter  breite  und  fünf  Meter  hohe „Wellenspiel“ des Friedberger Zeichenlehrers Roth an der Stirnseite, Deckenmalereien, Türen, alte Fliesen, das hölzerne Kassenhäuschen und ein kleiner Brunnen im Vorraum wurden entfernt, Fenster, zum Teil aus Buntglas, durch Glasbausteine ersetzt. Die alten Wannenbäder wurden beseitigt. Ihre Nutzung lohnte sich nicht mehr, da immer mehr Häuser und Wohnungen eigene Badezimmer erhielten.   Das Schwimmbecken jedoch behielt seine wichtige Funktion. Gerade in den 50er, 60er und 70er des letzten Jahrhunderts kamen viele Menschen aus Friedberg und Umgebung zum Schwimmen in das Alte Hallenbad.  Nahezu  alle  Friedbergerinnen  und  Friedberger  und Schülerinnen und Schüler aus der Wetterau haben während ihrer Schulzeit dort schwimmen gelernt. Noch immer fühlen sie sich dem Alten Hallenbad verbunden. Und die Wetterauer Zeitung schrieb am 22./23. April 1967: „Die Kreisstadt kann sich glücklich preisen, in ihrem Hallenbad eines der schönsten Bäder dieser Art landauf landab zu besitzen.“ 
Nachdem die Städte Friedberg und Bad Nauheim Ende der 1970er Jahre ein gemeinsames Freizeit- Schwimmbad errichtet hatten, wurde das Friedberger Hallenbad am 1. 6. 1980 endgültig geschlossen. Es verkam und   verfiel   zunehmend.   1985   wurde   es   als  „Denkmal 
bürgerschaftlichen Gemeinsinns“ unter Denkmalschutz gestellt und konnte damit nicht abgerissen werden. Im Jahr zuvor hatte der damalige Bürgermeister  Dr.  Ludwig  Fuhr  in  der  Festschrift  „75 Jahre Schwimmen in Friedberg“ an die Verpflichtung der Stadt erinnert, das Hallenbad für den Fall, dass es als Badeanstalt nicht mehr betrieben wird, „es in einer anderen Weise gemeinnützigen 
Zwecken dienstbar zu machen, die es ermöglichen, das Erbe bürgerlichen Gemeinsinns in einer Form  weiterzuführen, die  den Intentionen der damaligen zahlreichen Spender Rechnung trägt“.  
Während des langen Leerstands ab 1980 gab es deshalb Friedberger Bürger, die das Ziel verfolgten, das attraktive Jugendstil-Gebäude zu retten, zu sanieren und wieder mit Leben zu füllen. Unter anderem auch als eine Kultureinrichtung für die Stadt und die Wetterau, da es in der Stadt kulturelle Veranstaltungen lediglich in der großen Friedberger Stadthalle gab. Eine kleine Bühne mit besonderem Charakter fehlte. 
Nach verschiedenen Initiativen in den 1990er Jahren gründeten engagierte Bürger im April 2007 die Gesellschaft der Freunde Theater Altes Hallenbad Friedberg/Wetterau e.V., die rasch eine große Anzahl von Mitgliedern gewann (derzeit 1.400). „Von Bürgern für Bürger: Beim alten Hallenbad im hessischen Friedberg war das von Beginn an das Motto“ (Monumente – Magazin für Denkmalkultur, Februar 2020). 
Im September 2008 folgte dann die Gründung einer gemeinnützigen GmbH  mit dem  Verein  als  alleinigen  Gesellschafter.  Nach Verhandlungen mit  der Eigentümerin des Gebäudes, der Stadt Friedberg, wurde das  Alte  Hallenbad  im  November 2009  der Gesellschaft im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages für 66 Jahre übergeben.  
So konnten mit Hilfe der Stadt, den Vereinsbeiträgen, Spendengeldern und öffentlichen Mitteln die ersten notwendigen Sanierungsarbeiten (Trockenlegen des Kellers) begonnen werden. Im Jahr 2010 erfolgte ein Architekten-Wettbewerb, der die planerischen Grundlagen für die grundlegende   Sanierung   des   Jugendstil-Gebäudes   in   enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und zum Umbau des Alten Hallenbades zu einem Theater legte. Seither wird saniert, renoviert, umgebaut und installiert. Das Schwimmbecken wurde abgedeckt. Es entstand der große Saal.  

Gegenwart 
1. Kulturprogramm
 
Seit rund sieben Jahren wird das Alte Hallenbad trotz der laufenden Baumaßnahmen als Kultureinrichtung genutzt. Vom 15. bis zum 23. Juni 2013 hatte die erste „Kulturwoche Theater Altes Hallenbad“ Premiere.  
Heute  stellt  die  vereinsinterne  Kultur-AG  unter  dem  Titel „Kulturtaucher“ pro Jahr ein Programm mit rund 80 Veranstaltungen zusammen.  Ein  Höhepunkt  ist  dabei  jährlich  eine  Oper als Eigenproduktion von Mitgliedern des Vereins mit eigenem Orchester und Chor. Hinzu kommt die Kooperation mit der freien Friedberger Theater-Gruppe „Heldentheater“. Klassische und populäre Konzerte, Kleinkunst, Kabarett, Vorträge und Programme für Kinder runden das Programm ab. Zudem arbeitet das Theater Altes Hallenbad mit der Friedberger Musikschule bei den „Internationalen Gitarrentagen“ mit Musikern aus aller Welt zusammen.  
Zahlreiche Friedberger Einrichtungen vom örtlichen Energieversorger über die Technische Hochschule Mittelhessen, dem Wetteraukreis, die Stadt Friedberg bis zum Finanzamt nutzen das Theater für eigene öffentliche oder interne Veranstaltungen. Auf Nachfrage sind auch private Geburtstags- oder Familienfeiern Friedberger Bürgerinnen und Bürger im Alten Hallenbad möglich. 
So steht das Haus für alle Menschen aus der Stadt und der Region offen: Ein Treffpunkt für Kulturinteressierte. Das Theater Altes Hallenbad hat sich seinen besonderen Platz als Kultureinrichtung in Friedberg geschaffen. Die Resonanz über die Stadtgrenzen hinweg ist groß.  Die Stadt Friedberg, die Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren,  der  Mittelhessische  Kultursommer  und  Patenschaften Friedberger Firmen oder Personen unterstützen mit ihren Zuschüssen das kulturelle Programm. Alle Veranstaltungen werden kostendeckend geplant und durchgeführt. Hier spielt das freiwillige ehrenamtliche, also unentgeltliche Engagement der 
Vereinsmitglieder eine große Rolle.  

2. Ausblick: Weitere Renovierung und Restaurierung 

 Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz,  die  Bundesrepublik  Deutschland  und  die  Stadt Friedberg unterstützen die Restaurierung und Renovierung  des Gebäudes. Privatpersonen und Firmen tragen mit ihren Spenden dazu bei,  dass zahlreiche  Elemente  aus  der  Zeit  des  Jugendstils wiederhergestellt werden können. So zum Beispiel neue Fenster, die sich an den Originalen orientieren (s. Foto), restaurierte Bänder an der Deckenrundung, die Fliesen und Kacheln an den Pfeilern oder die Geländer im Treppenhaus und an der Galerie (s. Fotos). Auch soll das übermalte Gemälde mit der Abbildung von Badenden an der 
Stirnseite des Saales rekonstruiert werden.  
Die Planung für den weiteren Umbau sieht ein größeres Foyer mit Theke,   sanierte   Nebenräume   -   als   Versammlungs-   oder Ausstellungsorte zu nutzen -, Barrierefreiheit durch Rampen und Fahrstuhl und moderne Veranstaltungstechnik vor. Langfristig ist auch an die Einrichtung einer Gastronomie im Sockelgeschoss gedacht. Auch die Außenanlagen sollen hergerichtet werden. 
„Selbst wenn kein Wasser mehr sprudelt, wird der einstige Glanz des alten Jugendstilbads mit den Fliesen und dem ornamentalen Geländer bewahrt bleiben“ (Monumente – Magazin für Denkmalkultur, Februar 2020). Nach bisheriger Planung sollen die Arbeiten im Jahr 2023 beendet werden.  

                                                                                                                                                                                    Rainer Götze 6/2020 



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